Kulturerbe Tanz

Tanzkunst, Kinetographie und Widerstand gegen den Nationalsozialismus

PURPUR
Historische Fiktion aus der edition 8
ISBN 978-3-85990-566-5, auch als E-Book, erscheint im September

»Sie würde es zum Hauseingang der Nummer 106 schaffen, ohne die Gestapo zu kreuzen. Erleichtert öffnete Oda die Tür und ging die fünf Stockwerke hoch. Dann schloss sie die Eingangstür zu ihrem Wohnatelier hinter sich. Sie zündete keine Kerze an und zog sich hoch auf ihren Lieblingsplatz auf dem kleinen Schränklein, legte die Arme um die Knie und atmete tief aus. Sie hatte sich bei der Probe so gefreut – und dann diese schreckliche Angst auf dem Heimweg. Die Anspannung sass noch in ihrem Körper. Oda wusste, dass sie viele Stunden brauchen würde, um sie loszuwerden. In dieser Zeit konnte sie nichts schaffen. Das störte sie mehr als alles andere.«

Die Tänzerin und Bildhauerin Oda Schottmüller aus Berlin ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch, ungeachtet der politischen Zustände zu tanzen und künstlerisch zu gestalten, und dem Bedürfnis, den Nazis etwas entgegenzusetzen.

Die historische Fiktion Purpur beleuchtet einen wenig bekannten Aspekt des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Dabei wird der Bogen bis zum Schweizer Cryptoskandal gespannt, in den Elisas Enkel Max involviert ist und der sein Luxusleben auf den Kopf stellt.

Zum Buch schrieb Dr. Claudia Fleischle-Braun diesen Materialband:

Materialband zum Projekt Oda Schottmüller_Purpur und Akteuren im Umfeld der Roten Kapelle_8.9.2025

Ausschnitt aus dem Vorwort von Dr. Claudia Fleischle-Braun:
„Es war das Anliegen von Karin Hermes, mit dem Tanztheaterstücks „Oda Schottmüller und die Teigkatze“ und ebenso mit der von ihr erdachten Geschichte „Purpur“ die Geschehnisse in der Zeit der Weimarer Republik sowie des Nationalsozialismus und der Widerstandsbewegung, auch mit deren Auswirkungen auf dem Feld der Tanzkunst anhand von ausgewählten Einzelschicksalen in das Bewusstsein der heutigen Generation zu rücken und begreifbar zu machen. […] Ich bin mir bewusst, dass der Materialband, der lediglich als eine informative Arbeitshilfe für die künstlerische Projektarbeit konzipiert war, eben nur eine erste, in vielerlei Hinsicht unvollständige Sammlung ausgewählter biografischer Daten und Fakten geblieben ist. Sie war für mich ein erster Schritt, um mich mit den Verwerfungen dieser Zeitepoche gründlicher zu befassen.

Die in diesem Glossar gesammelten Einzelschicksale spiegeln die Auswirkungen der Macht des politischen Systems in den verschiedenen künstlerischen Konstellationen und sozialen Gruppierungen wieder, ebenso die Nöte, Zwänge und das erlittene Unrecht, das jene oder ihre Familien erleiden mussten. Es wird die Ambivalenz und das Dilemma von Entscheidungen konkret fühlbar, die zwischen beruflicher Karriere, politischen Überzeugungen oder freundschaftlicher Solidarität von den Einzelnen abverlangt wurden und die oft über ihr (Über-)Leben bestimmten.

In der literarischen Geschichte „Purpur“ von Karin Hermes wird uns dies überdeutlich vor Augen geführt. Und es bedarf auch weiterhin Projekte der körperlich-künstlerischen Erinnerungsarbeit und gemeinsamer tanzwissenschaftlicher Forschungs anstrengungen. Im Sinne eines ’work in progress‘-Projekts zur Erinnerungskultur möchten wir dazu beitragen und die heutige Generation sensibel zu machen für soziale Verwerfungen, für Tendenzen des Machtmißbrauchs und der Ausgrenzung wie auch von Rassismus und Antisemitismus. Damit kann eine Aufarbeitung und die Erinnerung an vergangene Geschehnisse und „Lasten“ über Fragen, die uns heute beschäftigen und die wir aus unserer persönlichen Sicht und Perspektive an Vergangenes stellen, auch zu einer Ressource werden, um an der Zukunft der Gesellschaft zu arbeiten, so die Literatur wissenschaftlerin Aleida Assmann, deren viel zitierte These „Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft“ auf die Notwendigkeit einer kollektiven Erinnerungskultur und auf den Wert der Vermittlung vergangener Erfahrungen an nächste Generationen verweist.“

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